Box-Salon

Programm
Lieder von John Dowland und Kurt Weill

Mitwirkende
Andromahi Raptis (Sopran)
Jonathan Ware (Piano)
Johanna Malangré (Musikalisches Konzept)
Tom Wilmersdörffer (Regie)

Einlass
19.30 Uhr

Inhalt
Im legendären Boxwerk in der Maxvorstadt treten nicht nur Sängerin Andromahi Raptis (Staatstheater Nürnberg) und Pianist Jonathan Ware (Hugo-Wolf-Preisträger) gegeneinander an – sondern auch echte Boxer*innen mit echten Schlägen. Eine körperliche Inszenierung der Trauer und ihrer fünf Phasen – mit Klavier-Improvisationen über aufprallenden Boxhandschuhen.

 

Trauer im Boxring

Eine Frau liegt im Ring niedergestreckt am Boden. Sie steht auf und kämpft weiter. Nicht gegen einen Gegner, denn der hat gewonnen, sondern mit sich selbst. Sie weint, sie schreit, sie wirft alles hin – und findet am Ende doch so etwas wie Frieden.

Der BOX-SALON verhandelt die Trauer, die uns trifft, wenn wir Großes verloren haben und ein Teil unseres Selbst stirbt. Der Umgang damit läuft meist in fünf bestimmten Phasen ab: Verleugnung, Zorn, Verhandeln, Depression und Annahme der Situation. In unserer Lied-Inszenierung erleben wir diesen Prozess entlang der Lieder von John Dowland und Kurt Weill. An der Oberfläche erzählen die Werke teils andere Rahmengeschichten: In Weills »Surabaya Johnny« beispielsweise verflucht eine Liebende ihren untreuen, sie nach Strich und Faden ausnutzenden Matrosen. In der »Seeräuber-Jenny« wünscht ein tagträumendes Dienstmädchen der feinen, undankbaren Gesellschaft den Tod. Hintergründig aber fügen sich die ganz unterschiedlichen Lieder und Texte in die universellen Phasen der Trauer-Bewältigung ein.

Die besiegte Boxerin – deren innerer Kampf im BOX-SALON von Sportler*innen des Münchner Boxwerks ausgetragen wird – durchlebt ihre Niederlage mit sich alleine. Für sie ist ihre Situation die ultimative Katastrophe, die sie von allen und jedem trennt. Trotzdem können wir uns alle mit ihr verbinden, in ihrem Kampf liegt eine allgemeingültige Wahrheit. Die Lieder geben eine Ahnung davon, wie zeitlos Trauer wahrgenommen, durchlebt und verarbeitet wird: Sowohl Dowland (16. Jahrhundert), als auch Weill (erste Hälfte des 20. Jahrhunderts) schaffen in ihrer jeweiligen Sprache und Musik einen Ausdruck, der uns heute unmittelbar berührt.

Event Details
  • Start Date
    12. September 2020 20:00
  • Venue