R*Evolution

10.-14. September 2021

Wir rufen 2021 auf zur R*Evolution – und unsere Waffe ist klassische Musik auf höchstem Niveau. Wir wollen raus aus der Lethargie, die sowohl die Klassik-Szene als auch unsere Gesellschaft insgesamt lähmt: Wir brauchen Luft zum Atmen! Wir wollen nicht nur interpretieren, ästhetische Bühnenmomente schaffen und um uns selbst kreisen. Wir wollen nicht länger bloß träumen – wir wollen machen. Wir kämpfen mit dem Lied, der Musik und allen Künsten gegen sexualisierte Gewalt, gegen gefährlichen Rassismus und gegen das verantwortungslose Nichtstun angesichts des Klimawandels. Schluss mit dieser schönen alten Welt der Behäbigkeit! Wir gestalten unsere Welt neu. Wir sind die „Classical R*Evolution“! Auf denn zum Abenteuer!

Wir erleben gerade eine Zeit der radikalen Veränderung: Covid-19-Pandemie, selbsternannte Querdenker, Proteste gegen Rassismus und Polizeibrutalität, Wirtschaftskrise. Unsere Gesellschaft hat unmittelbar den Katastrophenzustand kennengelernt. Die akuten Krisen treffen auf eine Welt, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten von einer digitalen Revolution überrollt wurde.

In der Unternehmenswelt haben sich „Change“ und „Disruption“, Wandel und Zerschlagung, zu den Modewörtern schlechthin entwickelt. Gleichzeitig sind junge Generationen so streitbar wie lange nicht mehr. Sie bekämpfen patriarchale Strukturen. Sie wollen nicht wegschauen, wenn im Mittelmeer Menschen sterben. Sie gehen gegen den Klimawandel auf die Straßen, der alles bedroht.

Klassische Musik erscheint zwischen all dem Umbruch und Fortschritt vielen als weltfremdes Genre: im Elfenbeinturm komponiert, im Weinberg-Konzertsaal präsentiert, von strukturell verknöcherten Kulturlandschaften zu Tode gepflegt. Kommt doch mal Modernes, ist es zu speziell und zu irrelevant, so der Vorwurf.

Dabei war klassische Musik immer auch Abbild der Umwelt, in der sie entstand. Sie spiegelte religiöse Jenseits-Fantasien, vergnügte den genusssüchtigen Adel, diente Diktatoren als Propaganda-Instrument, bot Unterdrückten Zu- und Weltflucht oder tönte dem Widerstand voraus. Die Zeiten prägten die Musik – und die Musik prägte die Zeiten.

Wir stellen uns beim HIDALGO 2021 die Frage, wie viel Umsturz nötig ist. Wir stellen nicht nur die Komposition, Aufführungspraxis und Rezeption infrage, sondern genauso unsere Gesellschaft: Wir schauen auf Konflikte und Schuld, Angst und Mut, Gewalt und Gerechtigkeit. Wir begehren auf ­– mit den Mitteln der Kunst, ausgehend von Kunstlied und klassischer Musik.

Titelbild: Max Ott