Andromahi Raptis und Jonathan Ware beim HIDALGO Box-Salon, Credit: Max Ott

HIDALGO Box-Salon @ ID Festival

Programm
Lieder von John Dowland und Kurt Weill

Besetzung
Andromahi Raptis
– Sopran
Jonathan Ware – Piano
Boxwerk München – Boxer und Ringrichter

Tom Wilmersdörffer – Idee & Inszenierung
Johanna Malangré – Musikalisches Konzept
Melanie Renz – Dramaturgie
Lukas Kaschube – Licht-Design & Technische Leitung
VT Veranstaltungstechnik – Video-Streaming

ID Festival Berlin – Ausstrahlung & Realisierung

Inhalt
Im legendären Boxwerk in der Münchner Maxvorstadt treten nicht nur Sängerin Andromahi Raptis (Staatstheater Nürnberg) und Pianist Jonathan Ware (Hugo-Wolf-Preisträger) gegeneinander an – sondern auch echte Boxer*innen mit echten Schlägen. Eine körperliche Inszenierung der Trauer und ihrer fünf Phasen von Regisseur Tom Wilmersdörffer – mit Klavier-Improvisationen über aufprallenden Boxhandschuhen.

Der HIDALGO führt seine Produktion BOX-SALON am Samstag, den 20. März 2021, beim israelisch-deutschen ID Festival auf. Wegen Corona wird der Abend als Videostream live aus dem Münchner Boxwerk gesendet. Die erfolgreiche Lied-Installation BOX-SALON hatte im Herbst 2020 beim HIDALGO-Festival seine Premiere gefeiert.

Trauer im Boxring

Eine Frau liegt im Ring niedergestreckt am Boden. Sie steht auf und kämpft weiter. Nicht gegen einen Gegner, denn der hat gewonnen, sondern mit sich selbst. Sie weint, sie schreit, sie wirft alles hin – und findet am Ende doch so etwas wie Frieden.

Der BOX-SALON verhandelt die Trauer, die uns trifft, wenn wir Großes verloren haben und ein Teil unseres Selbst stirbt. Der Umgang damit läuft meist in fünf bestimmten Phasen ab: Verleugnung, Zorn, Verhandeln, Depression und Annahme der Situation. In unserer Lied-Inszenierung erleben wir diesen Prozess entlang der Lieder von John Dowland und Kurt Weill.

An der Oberfläche erzählen die Werke teils andere Rahmengeschichten: In Weills »Surabaya Johnny« beispielsweise verflucht eine Liebende ihren untreuen, sie nach Strich und Faden ausnutzenden Matrosen. In der »Seeräuber-Jenny« wünscht ein tagträumendes Dienstmädchen der feinen, undankbaren Gesellschaft den Tod. Hintergründig aber fügen sich die ganz unterschiedlichen Lieder und Texte in die universellen Phasen der Trauer-Bewältigung ein.

Die besiegte Boxerin – deren innerer Kampf im BOX-SALON von Sportler*innen des Münchner Boxwerks ausgetragen wird – durchlebt ihre Niederlage mit sich alleine. Für sie ist ihre Situation die ultimative Katastrophe, die sie von allen und jedem trennt.

Trotzdem können wir uns alle mit ihr verbinden, in ihrem Kampf liegt eine allgemeingültige Wahrheit. Die Lieder geben eine Ahnung davon, wie zeitlos Trauer wahrgenommen, durchlebt und verarbeitet wird: Sowohl Dowland (16. Jahrhundert), als auch Weill (erste Hälfte des 20. Jahrhunderts) schaffen in ihrer jeweiligen Sprache und Musik einen Ausdruck, der uns heute unmittelbar berührt.

Unser Kooperationspartner: ID Festival Berlin

„sehr berührend aber auch sehr humorvoll“ rbb Inforadio

Das ID Festival wurde 2015 in Berlin von dem Pianisten, Komponisten und Dirigenten Ohad Ben-Ari gegründet. Es fördert die Zusammenarbeit zwischen israelischen und deutschen Künstler*innen und Kunstinstitutionen, wobei auch Brücken zu anderen Minderheiten in Deutschland gebaut werden. Die European Festival Association zeichnete das ID Festival mit dem »EFFE Label« aus.

Die fünfte Festivalausgabe widmet es sich ganz dem Absurden „zwischen Lockdown und Sisyphos-Gefühlen in einer neu kuratierten Online-Mischung mit Musik, Performance, Humor, kathartischen Kämpfen und rituellen Handlungen.“ Schirmherrin ist Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien.

 

Event Details
  • Days
    Hours
    Min
    Sec
  • Start Date
    20. März 2021 21:00
  • End Date
    20. März 2021 22:00
  • Status
    Upcoming
  • Venue